Liebesfähigkeit – unsere Verbindung zum Universum

In den vergangenen etwa 10 Jahren meiner Beratungstätigkeit entdeckte ich immer häufiger ein Phänomen, das mich immer wieder völlig überraschte. Menschen, denen fast jeder Kontakt zu ihrem spirituellen Herzen verloren gegangen war, wenn sie ihn denn je hatten. Jegliche Herzensbildung schien ihnen zu fehlen. Alles was sie taten, entsprang ganz und gar ihrem Kopf. Allesamt waren es kluge und intelligente Leute, denen auch Gefühle nicht fremd waren. Doch wenn es um Liebe ging, schienen sie völlig hilf- und ratlos.

Selbst wenn sie sich nach einer Partnerschaft, einer liebevollen Beziehung sehnten. Nichts schien ihnen da die wahre Erfüllung zu bringen. Sie hatten zwar auch gute Freunde, aber einen Partner fürs Leben fanden sie durchwegs nicht. Sie konnten sich gar verlieben und für kürzere oder längere Zeit sich aufeinander verlassen. Oft heirateten sie, trennten sich aber innerhalb kurzer Zeit wieder. Meist dachten sie später durchaus wehmütig darüber nach, warum es mit der Liebe, die sie glaubten gefunden zu haben, so merkwürdig und bald wieder zu Ende war. Vielfach flüchteten sie in Nebenbeziehungen, waren dabei aber in ihrem Innersten zutiefst unzufrieden und im Grunde unglücklich. Auch die wildesten und leidenschaftlichsten sexuellen Beziehungen liessen stets ein grosses Gefühl der Leere und des Verlassenseins zurück. Und auch sie verloren häufig ihren ganzen Reiz. Einige von ihnen entwickelten gar eine richtige Abneigung gegen das Wort „Liebe“. Liebe, was ist das?

Anderseits gibt es diese wirklichen Liebespaare, die von aussen gesehen nicht einmal besonders gut zueinander passen müssen, welche die wahre Liebe ein Leben lang füreinander behalten. Und dies nach ihrem Bekunden, ohne dafür „viel Arbeit“ leisten zu müssen. Unerklärlich für alle diejenigen, die solches nie erleben.

Natürlich wurde ich von denen als Berater beigezogen, welche ich hier die „Liebesunfähigen“ nennen möchte. Anfänglich meist wegen ganz anderer „Probleme“.

Nicht immer, aber immer häufiger, ist es dann aber gelungen, solche Menschen zu „Liebesfähigen“ zu transformieren. Jeder einzelne Fall benötigte dazu ein individuelles Vorgehen. Doch der Kompass über allem, führte stets direkt über das Herz. Vom physischen zum spirituellen. All diese Erfahrungen haben meine Überzeugung gestärkt, dass es möglich ist Menschen liebesfähig werden zu lassen. Eine Veränderung die regelmässig für alle als grosse Entwicklung ihrer Persönlichkeit betrachtet wurde.

Wenngleich es wahrscheinlich unmöglich sein dürfte, hier eine brauchbare „Anleitung zum Erwerb der Liebesfähigkeit“ zu geben, will ich doch ein paar der essentiellen Schritte skizzieren, die dahin führen könnten:

Das erste Mal als ich mehr als deutlich auf einen fehlenden Kontakt zum spirituellen Herzen aufmerksam wurde, war vor etwa 20 Jahren. Eine junge tüchtige und intelligente Frau, liess plötzlich in ihrer ganzen Arbeitsleistung markant nach. Sie, die vorher die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit in Person war, überdies aussergewöhnlich produktiv arbeitete, war ständig verspätet, konnte ihr Pensum kaum mehr bewältigen und wusste selber nicht recht, was mit ihr los war. Nun, sie hatte 5 Liebhaber gleichzeitig, nicht zuletzt auch ein ganz beachtliches logistisches Problem. Sie kam kaum mehr zum Schlafen und war auch emotional ziemlich durcheinander. In einem offenen Gespräch gestand sie mir, dass sie im Grunde mit der ganzen Situation höchst unzufrieden war, aber nicht wüsste, wie aus ihr herauszukommen wäre. Ob sie denn in die Männer, mit denen sie intim verkehrte auch verliebt sei, oder lediglich sexuell abhängig. Sie tendierte eher zu letzterem. Spontan fragte ich sie dann, ob sie denn jemals einen Mann wirklich geliebt hätte. Zögernd sagte sie, wahrscheinlich sei das ihre erste Liebe gewesen, aber sie wisse nicht einmal da, ob es wirklich Liebe gewesen sei. Wie man denn wisse, ob es Liebe sei? Diese Antwort kann Dir nur Dein Herz geben. Ja, wie denn? Sie spüre ihr Herz überhaupt nicht.

Für einen Moment war ich ziemlich perplex und suchte nach einer Idee, wie ich sie in Kontakt mit ihrem Herzen bringen könnte. Am besten ist das vielleicht über den physischen Kontakt mit ihrem physischen Herzen möglich. So lud ich sie ein, einmal mit ihrer Hand den Ort ihres Herzens im Körper zu suchen. Als sie ihre Hand, nach einigem Abtasten, ziemlich weit im unteren Bauch platzierte, staunte ich nicht schlecht und sagte ihr: Da kann ihr Herz unmöglich sein. Und da sie überhaupt keinerlei Herzklopfen wahrnehmen konnte, war meine Beobachtung wahrscheinlich richtig. Ich bat sie dann, ihren Puls am Handgelenk zu erfühlen. was ihr nach einigen Versuchen gelang. Endlich konnte sie die Tätigkeit des Herzens wahrnehmen. Nach einigen weiteren Versuchen gelang es ihr dann auch, ihr Herz dort im Brustbereich, ganz schwach wahrzunehmen. Nun war zumindest ein physischer Kontakt zum Herzen da. Ich empfahl ihr, gewissermassen als mehrmalige tägliche Übung, sich immer wieder an ihr körperliches Herz heranzutasten. Was sie dann während ein paar Tagen machte. Und erstaunlicherweise, sagte sie sich in den nächsten 2 Wochen von all ihren 5 Liebhabern los, begann wieder ordentlich sich auszuruhen und war schon bald wieder so produktiv bei der Arbeit wie zuvor.

In einem weiteren Gespräch ist es uns dann gelungen, ihr eine Ahnung vom spirituellen Herzen zu geben. Das sich oft in einem kaum zu beschreibenden Gefühl äussert, das am besten als Aura des Herzens diffus umschrieben werden kann. Nach einigen Wochen und weiteren Gesprächen entwickelte sie auch dafür ein untrügliches Gefühl.

Und nun geschah das für mich damals Erstaunlichste. Ich hatte noch keine Erfahrung mit einem ähnlichen Prozess. Sie überraschte mich mit der Nachricht sie sei zu ihrer ersten Liebe zurückgekehrt und jetzt wisse sie, dass sie im Grunde schon von Anfang den Mann ihres Lebens gefunden hätte. Ein paar Jahre später heirateten die beiden und sie sind bis heute ein liebend Paar geblieben. Hätte ich es nicht erlebt, ich würde die Geschichte für ein Märchen halten.

Es dauerte dann ungefähr 10 Jahre bis ich mit weiteren Situationen konfrontiert wurde, in denen die betreffenden den Kontakt zum Herzen nicht fanden. Und mit der Zeit wurden es immer mehr Geschichten dieser Art, jede für sich einzigartig und anders in ihrem Verlauf.

So beispielsweise jener Mann, der als äusserst kaltherzig und zynisch von seiner Umgebung taxiert wurde. Mit messerscharfem Verstand. Ein Top-Manager, der deswegen nicht nur respektiert, sondern von einigen auch regelrecht gefürchtet wurde. Das einzige, was ihn einigermassen erträglich machte, war die Tatsache, dass er nie persönlich verletzend oder auch nur taktlos war. Stets war er äusserst höflich und mit Damen konnte er richtig charmant sein.

Beim Beginn unserer Zusammenarbeit bat er mich, ihm zu helfen, eine Strategie für ein Geschäftsprojekt zu entwickeln, das er mit der jungen Frau starten wollte, mit der er nun über 10 Jahre gemeinsam tätig war. Mir wurde allerdings schnell klar, dass sich dahinter eine ganz andere Situation versteckte.

Kollegen munkelten, sie seien wie ein verschworenes Ehepaar und vermuteten gar eine heimliche Affäre zwischen den beiden. In Wirklichkeit, war es schon so, dass er ganz zarte kleine Anzeichen von Verliebtheit in die jüngere Frau spürte. Er durfte dieser aber seine Gefühle überhaupt nicht, auch nicht auf die leiseste Art äussern. Denn sie hätte dann das Arbeitsverhältnis sofort beendet, hätte sie auch nur die geringsten Anzeichen einer Annäherung gespürt. Das wusste er sehr genau, vor allem in jenem Moment, als er ihr einmal folgendes SMS schrieb: „Ich vermisse Dich.“ Worauf sie ihm unzweideutig zu verstehen gab, so etwas wolle sie nie mehr hören.

Während über 3 Jahren holte er mich immer wieder zu mehrstündigen Gesprächen, in denen überdeutlich wurde, wie sehr er in diese Frau verknallt war. Er förderte sie in ihrer beruflichen Karriere wo er nur konnte, allerdings immer nur soweit, dass sie ganz nahe bei der Arbeit bei ihm blieb. Und während dieser ganzen Zeit, nahm er Anteil auch an ihrem Privatleben, soweit sie ihn überhaupt daran teilhaben liess. Trotz ihres Widerstandes, da auch nur das geringste preiszugeben, wusste er immer wieder, wenn sie wieder einen neuen Liebhaber hatte. Er erfuhr dies jeweils von ihren Kollegen. Obwohl er es nicht zugeben wollte, frass ihn dann seine Eifersucht fast auf.

Nach etwa 3 Jahre eröffnete ihm die junge Frau, dass sie einen völlig neuen beruflichen Weg einschlagen wolle und dann ohnehin die Partnerschaft mit ihm beenden wolle. Sie wolle mit Tieren arbeiten. Worauf die beiden intensiv miteinander zu streiten begannen. Meine Rolle wechselte nun zum Vermittler zwischen den beiden. Für mich eine Gratwanderung, bei der ich äusserst sorgfältig darauf achten musste, auch nicht das Geringste von dem, was ich von den beiden wusste, dem anderen bewusst oder unbeabsichtigt mitzuteilen.

Er versuchte mit allen möglichen Angeboten – er half ihr auch mit einem erklecklichen finanziellen Betrag aus einer Klemme, in der sie steckte – sie an sich zu binden. Geld, das er übrigens nie mehr zurückerhalten sollte. Sie wollte definitiv weg von ihm.

Während dieser Zeit wurde er in aller Heimlichkeit in den USA am offenen Herzen erfolgreich operiert. Sein Arzt hatte festgestellt, dass 2 seiner Koronararterien fast völlig verstopft waren. Er stand kurz vor einem Herzinfarkt. Vielleicht ein Anzeichen für sein gebrochenes Herz.

Er hörte nicht auf, daran zu glauben, er würde sie bei sich und in seinem Einflussbereich behalten können. Während dieser Zeit stritten sie sich immer heftiger.

Doch dann geschah die wundersame Wende. Er konnte sie gehen lassen. Und spürte, dass er sie gleichwohl lieben könne. Während ihrer ganzen Zeit der Zusammenarbeit tauschten sie übrigens nie die geringste körperliche Zärtlichkeit aus.

Bei einem Mittagessen erklärte er mir dann, welche Offenbarung es für ihn nun sei, entdeckt zu haben, was so etwas wie bedingungslose Liebe sein könnte. Das hielt ich selber vor 5 Jahren, als wir unsere Zusammenarbeit begannen, im Grunde für unmöglich. Er hatte gewissermassen den Gipfel des Mount Everest erreicht.

Das Mittagessen war im Frühling. Wir vereinbarten dann noch einen Termin für den späten Herbst. Dazu kam es nicht mehr, denn im Frühherbst, auf einer Wanderung in den Bergen, setzte er sich auf eine Bank und sagte: „So glücklich wie jetzt bin ich in meinem ganzen Leben nie gewesen.“ Dann starb er an einem Herzinfarkt.

Sein Tod stürzte sie in eine so tiefe Trauer, dass mich das überraschte.
Sie schien untröstlich. Der Gedanke, dass er nicht mehr hier war, schien ihr unerträglich. Ein Jahr später bat sie mich, seinen Todestag für ein paar Stunden mit mir zusammen zu verbringen. Wir schauten uns gemeinsam nochmals ein Märchen an, das er während unserer früheren Arbeit geschrieben hatte. Als er seinerzeit uns das Märchen vorlas, brach der kalte, zynische Mann in Tränen aus. Nun, ein Jahr nach seinem Tod war es wie selbstverständlich, dass er für sie zum Schutzengel geworden war. Ihr Herz hatte sich tief mit seiner Seele verbunden. Seither habe ich den Kontakt zu ihr verloren.

Die nächsten „Liebesgeschichten“ werde ich hier nur kurz skizzieren, womit ich natürlich diesen überhaupt nicht gerecht werde. Zu vielfältig und auch oft ziemlich kompliziert und vor allem jede auf ihre Weise eine Mischung von Glücksgefühlen, Melancholie, Reue und Versöhnung mit dem Schicksal. Jede auf ihre melancholische Weise auch schön.

Eine überaus gescheite, attraktive Frau fand schon früh den Mann ihres Lebens. Vielleicht etwas gar zu früh. Sie heirateten jung, aber schon nach der Hochzeitsnacht verliebte sich die Frau in einen anderen, und wurde mit ihm gleich intim. Das schien zunächst der Beziehung nichts anzuhaben. Doch als die Frau zum anderen Mann zog, war es für ihren frisch angetrauten Gatten doch zuviel. Obwohl er nicht verzeihen konnte, wollte er gleichwohl nicht die Scheidung. Die beantragte sie dann.

Seither findet sie keinen Mann mehr. Sie bleibt single. Ist beruflich sehr erfolgreich. Da sie eine wirklich gute Mutter hätte werden können und auch wollen, bleibt ihr allerdings ein kinderloses Dasein.

Selbstverständlich waren sämtliche Beziehungen mit Männern regelmässig voller Konflikte, Widersprüche, Streit und im Grunde zutiefst unbefriedigend. Bei ihr ist es mir nicht gelungen, ihr den Zugang zu ihrem Herzen zu ermöglichen.

Die erste Liebe einer ganz jungen Frau, war für jeden, der das Paar näher kannte, eine ziemlich „asymetrische“ Angelegenheit. Sie hochintelligent, strebte einen anspruchsvollen Hochschulabschluss an. Er war Kellner, der kaum je länger als 3 Monate am selben Ort arbeiten konnte. Beruflich hatte er kaum Chancen auch nur ein wenig weiterzukommen, denn selbst eine Weiterbildung im gastronomischen Bereich war für ihn einfach zu anspruchsvoll. Sie liebte ihn, wie sie meinte, mit der letzten Faser ihres ganzen Körpers. Er aber spielte mit ihr die übelsten Spiele. Spottete über die Hässlichkeit ihrer Füsse und Ohren. Es waren die Teile ihres Körpers, derer sie sich schämte. Als sie einmal einen Hautauschlag entwickelte, geriet sie in Panik, er würde sie deswegen verlassen. Sie trennten sich mindestens fünfmal und kamen dann wieder zusammen. Und immer ergriff sie dabei die Initiative. Er nahm sie jeweils gnädig wieder auf und plagte sie weiter. Die Geschichte hatte viele Elemente von Anna Karenina. Als sie den seelischen Schmerz nicht mehr aushielt, wurde sie krank, völlig konfus und selbst ihr Studium drohte sie zu überfordern. Da holte sie sich meinen Rat in einem Zustand grösstmöglicher Verzweiflung.

Es dauerte dann fast ein Jahr, und viele lange Gespräche, bis ihr klar wurde, dass diese Beziehung, weder liebevoll noch tragfähig war. Nach diesem Moment der Klarheit dauerte es dennoch ein halbes Jahr während dem sie, obwohl getrennt von ihm, mit ihm immer wieder den Kontakt suchte. Er brauchte lediglich ein ganz banales SMS zu schicken und sie reagierte darauf umgehend. Sie fürchtete tatsächlich, in ihrem Leben keinen Mann mehr zu finden. Denn wer würde sie schon wollen. Während dieser ganzen Zeit pflegte der Mann sehr viele Kontakte, auch intimer Art, mit anderen Frauen.

Die völlige wirkliche Trennung empfand sie dann aber als Befreiung aus ihrem mentalen Gefängnis und widerstand fortan jeder Versuchung, auf seine Kontaktwünsche einzugehen. Wobei sie mir anfänglich nicht einmal glauben wollte, als ich ihr sagte, er würde mit Bestimmtheit wieder zu ihr kommen wollen.

Ich schloss gar eine Wette darüber mit ihr ab, die sie finanziell dann einigermassen schmerzte. Nie hatte sie gerechnet, dass sie diese nicht gewinnen würde. Die Wette hatte sie verloren, dafür ihre Freiheit gewonnen.

Heute hat sie nun den Mann ihres Lebens gefunden. Einen eigentlichen Seelenverwandten, wie sie überzeugt ist. Nach langem Leiden ein vorläufiges „Happy End“. Nicht nur hatte sie den Mann ihres Herzens, sondern vor allem auch Kontakt zu ihrem eigenen Herzen.

Die letzte Geschichte, die ich hier skizzieren will, ist fast zu banal für den Schluss einer völlig unvollständigen Aufzählung. Sie kommt aber so häufig vor, dass sie es dennoch verdient, hier erwähnt zu werden.

Er umwirbt sie, liest ihr jeden Wunsch von den Lippen. Weiss gar manchmal, was sie möchte, bevor sie etwas sagt. Er ist der perfekte Frauenverführer. Sobald er sie „erbeutet“ hat, wendet er sich der nächsten Frau zu und geht fremd. Gleichwohl gelingt es ihm, sie zu schwängern und sie heiraten. Und dies, obwohl sie schon damals überzeugt war, dass er der Falsche für sie sei. Sie bleiben kein Jahr zusammen. Heute ist die Frau alleinerziehende Mutter, deren Ein und Alles ihr wunderbarer Sohn ist. Sie ist eine praktische lebensfrohe Frau geblieben, äusserst tüchtig in ihrem Beruf als Krankenschwester und sagt von sich, sie sei mit ihrem Leben rundum zufrieden. Einen Mann wieder kennen zu lernen scheint ihr momentan in weiter Ferne, wenn überhaupt jemals wieder.

Der so häufige sogenannte „Ehebruch“, führt in der Mehrzahl der Fälle zur Trennung und Scheidung. Er kommt so häufig vor, dass er bald auf eigenartige Weise als „normales“ Phänomen der heutigen Zeit gilt. Und dies obwohl damit unendlich viel Schmerz, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit einhergehen. Am schlimmsten werden in der Regel Ehebrüche, die einhergehen, mit einem Wechsel der sexuellen Orientierung des Partners, der weg will. Von hetero zu homo. Von hetero zu lesbisch. Da scheint mir interessant, dass männliche Homosexualität, die vorher hetero war, irgendwie noch eine Spur leichter verkraftet werden kann, als von einer hetero Frau zu einer Lesbe. Jedenfalls war das in allen Fällen, die mir bekannt sind so.

Wenn ich jeweils frage – und ich tue es immer gleich zu Beginn einer Beratung in Liebesdingen – ob, sie oder er ihn noch liebe und ich bekomme die Antwort: „Ich weiss es nicht, oder nicht mehr.“ Frage ich auch noch, ob sie ihn oder er sie je geliebt habe, bekomme ich dann meist eine ähnliche Antwort. Was war es dann, das die beiden zusammengeführt hat. Und dann kommt meist ein Strauss von zumeist eher „praktischen Argumenten“. „Ich wollte immer eine Familie haben.“ „Ich suchte nach finanzieller Sicherheit“. „Ich wollte den gesellschaftlichen Aufstieg“. „Am Anfang hat er oder sie mir einfach gefallen, in seiner Art, seinem Aussehen, oder was auch immer.“ Und dann kommt meist die „Gretchenfrage“: „Woran kann ich denn erkennen, ob es „wahre”Liebe gewesen sei“?

Ich versuche diese Frage jeweils mit meinen Vermutungen zu entschlüsseln, gewissermassen als scheue Versuche, das Mysterium der Liebe in wahrnehmbaren Phänomenen darzustellen.

Wer sich liebt, stellt keine Ansprüche. Hat keine Erwartungen. Vor allem keine Besitzesansprüche jeder Art. Lässt den andern so sein, wie er ist. Gleichwohl setzt er oder sie sich mit ihm oder ihr lebendig auseinander. Tauscht Wünsche und Bedürfnisse offen und ehrlich aus. Allerdings als Bitten, deren Ablehnung ohne weiteres akzeptiert wird. Keineswegs als Forderungen oder Anschuldigungen. Wer sich liebt, kommt ohne Vorwürfe an den andern aus. Denn diese sind Gift für jede Beziehung.

Die höchste Form der Liebe kennt auch die Eifersucht und die Angst vor dem Verlassenwerden nicht. Das tönt zunächst ziemlich exotisch. Umso mehr als Eifersucht von vielen geradezu als wichtiges Indiz für eine ganz grosse Liebe gilt. Wenn sie nun aber denken, wer eifersüchtig sei, sei auch nicht wirklich liebesfähig, dann ziehen sie eine unzulässige Schlussfolgerung. Es ist vielmehr einfach so, dass die diese höchste Form der noch nicht erreicht haben. Etwas ganz Normales. Sind sie aber einmal dort, dann werden Sie sich über alles freuen, was dem andern Freude bereitet.

Diese vielleicht etwas hausbackene Aufzählung, natürlich völlig unvollständig, möge eine kleine Ahnung geben, wie sich Liebesfähigkeit erkennen lässt.

Alles weitere überlasse ich dann im nächsten Blog mit den “Texten zur Liebe” den Poeten, die es am allerbesten schaffen, der schönsten aller menschlichen Fähigkeiten zu huldigen.

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